DIE HOCHZEIT AUF SYLT

Einer der großen Vorteile eines Hochzeitsfotografen ist es – die Gelegenheit zu haben eine Menge verliebter Paare, am für sie aufregendsten Höhepunkt ihres Lebens, zu begleiten. Für mich gibt es nichts Schöneres, als dabei zu sein, wenn zwei glückliche Menschen, im Kreis ihrer engsten Vertrauten, ihre gegenseitige Liebe für einander schwören.

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Diesen Sommer hatte ich das Glück ein besonders außergewöhnliches und doch unglaublich harmonisches Paar kennenzulernen, Franziska und Andrew. Franziska ist auf der schönen deutschen Insel Sylt geboren. Andrew dagegen ist gebürtiger Australier. Deutschland und Australien, zwei Länder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Obwohl diese beiden Orte eine Strecke von mehr als 7400 km voneinander trennt, hat die Liebe dieses außergewöhnlichen Paares das Unmögliche möglich gemacht. Das Leben steckt doch voller Wunder.  Bereits in Deutschland packte Franziska die Abenteuerlust und so beschloss sie,  sich auf eine Reise nach Australien zu begeben, um dort ihr Studium zu beenden und anschließend dort zu arbeiten. Während dieser Zeit lernte Sie Andrew kennen und so kam es, dass sie sich Hals über Kopf in einander verliebten. Für viele Paare ist dies ein entscheidender Moment, da sie sich auf lange Sicht betrachtet im Klaren sein müssen, ob ihre gemeinsame Bindung eine feste Zukunft hat. Aber diese Problematik stellte sich gar nicht erst. Für Franziska und Andrew stand von vorn herein fest, dass sie ohne einander nicht mehr leben können. So kam es, dass Andrew Franziska zu Neujahr einen Antrag machte und sie willigte ein. Einige Monate später entdeckten die Beiden meine Internetseite.

An einem sonnigen Frühlingstag klingelte mein Telefon und aus der anderen Ende Leitung erklang Franziskas Stimme aus dem fernen Australien.  Wir haben uns auf Anhieb verstanden. Sie sagte, dass sie sich zusammen mit Andrew, meine Bilder ansahen und total begeistert von ihren wären. Für sie stand fest, dass ich die einzige Fotografin sei, die für ihre Hochzeit in Frage käme. Zum Glück war das Datum noch frei und ich konnte es den Beiden gleich zugestehen. Abends haben wir uns über die lange Distanz im Skype verabredet, um alle weiteren Details zur Hochzeit zu besprechen.  In diesem Moment fällt es mir schwer das Geschehene in Worte zu fassen. Es hat einfach alles gestimmt. Franziska und Andrew waren unbeschreiblich ineinander verliebt. Sie wussten auch sofort, welche  Aufnahmen sie gerne hätten und was sie sich wo vorstellten. Die meiste Zeit unterhielten wir uns logischerweise auf Englisch, weil das für uns alle am Angenehmsten war. Franziska und Andrew entschlossen sich für eine türkise Hochzeit, eine wirklich traumhafte Farbe. Nun war es an der Zeit die passenden Accessoires zu finden.  Ungefähr gleichzeitig fand Franziska endlich das lang ersehnte Kleid ihrer Träume.

Als es endlich Juni wurde, rückte der entscheidende Tag in greifbare Nähe. Alles war perfekt vorbereitet. Da ich gerade ein Fotoshooting in Moskau beendet hatte, flog ich am 11. Juni zurück nach Hamburg, um mich am darauf folgenden Tag von dort aus früh morgens in einen Zug Richtung Sylt zu setzen. Während der Fahrt ging ich nochmal im Kopf den abgemachten Plan durch: Zuerst geht Franziska zum Friseur, um dort geschminkt und gestylt zu werden. Anschließend holen mich Beide vom Bahnhof ab, damit wir uns zusammen mit den Gästen in einem gemütlichen Café treffen. Danach gehen wir alle ins Standesamt. Von dort aus gibt es schon das erste kleine Shooting. Um zwölf Uhr machen sich die Beiden so richtig schick für das wichtigste Ereignis des Tages- die Zeremonie in der Kirche. Daraufhin folgt der Lieblingsteil eines jeden Hochzeitfotografen: das kreative Fotoshooting. Zum Schluss folgt die lang ersehnte Feier.

So stieg ich mit freudigen Erwartungen aus dem Zug und wurde sofort aufs herzlichste Empfangen. Alles verlief genau nach Plan. Für die Trauung im Standesamt trug Franziska ein atemberaubend  elegantes Spitzenkleid,  einen türkisen Brautstrauß und dazu die passenden türkisen Schuhe und Ohrringe. Andrew dagegen trug einen schwarzen Anzug mit einer türkisen Krawatte. Da Franziskas Muttersprache deutsch ist und die von Andrew englisch, wurde die Rede zur Trauung in beide Sprachen abgehalten. Besonders begeistert war ich von der wundervollen, warmen und humorvollen Rede der Standesbeamtin.

Nachdem wir das Standesamt verließen wartete noch eine ganz besondere Überraschung auf die Beiden. Franziskas Freundinnen hatten für das frisch vermählte Paar, nach alten deutschem Brauch, ein riesiges, rotes Herz auf weißem Laken gemalt, welches es für die Beiden galt, auszuschneiden. Beide waren total überwältig. Besonders für Andrew war es, wie ich vermute, das erste Mal, dass er von diesem Brauch erfuhr. Das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen und alle hatten unglaublich viel Spaß. Nun rückte der zweite Höhepunkt des Tages allmählich in den Vordergrund und die Anspannung stieg erneut an. Es folgte die Trauung in der Kirche.

Um für diesen großen Moment bereit zu sein, haben sich Franziska und Andrew ihre zweiten, speziell für diese Zeremonie gewählten,  Hochzeitskleider angezogen. Während Sie sich umzogen, herrschte bereits Zuhause ausgelassene Stimmung bei den Gästen, denn sie wurden mit den Spezialitäten der deutschen Küche verwöhnt. Traditionsgemäß haben sich Franziska und Andrew in zwei unterschiedlichen Räumen schick gemacht, damit der Bräutigam die Braut erst vor dem Altar zu Gesicht bekommt. Andrew war sehr fokussiert und hatte alles sorgfältig durchdacht, so dass er, wie die meisten Männer, sehr schnell fertig angezogen war. Wie so oft, brauchen Frauen in dieser Hinsicht ein klein wenig länger. Es war so rührend, dass Franziskas Mutter und ihre besten Freundinnen die ganze Zeit über bei ihr waren, um sie moralisch zu unterstützen und um ihr beim Anziehen zu helfen. Selbstverständlich kann eine deutsch- australische Hochzeit nicht ohne eine australische (englische) Tradition vollzogen werden. So kam es dazu, dass Franziska an dem Tag der Hochzeit etwas Altes (eine antike Münze), etwas Neues (eine Sicherheitsnadel), etwas Geliehenes (ein Strumpfband von ihrer Freundin) und etwas Blaues (ein blauer Edelstein) trug. Die Vorbereitungen waren abgeschlossen und die Zeremonie konnte endlich beginnen.

Andrew erwartete seine Franziska vor der Kirche. Was für ein aufregender, magischer Moment, als Franziska und Andrew zusammen mit dem Pastor den Raum betraten. Alle starten gebannt auf dieses unvergleichlich schöne, vor Glück strahlende Paar, das anmutig wie auf Wolken durch die Kapelle bis zum Altar schwebte. Nun war es endlich soweit. Der Pastor stimmte eine feurige Rede an und die Gäste jubelten. Der Strom der positiven Gefühle in dieser kleinen Kapelle war einfach überwältigend. Alle sangen zusammen Lieder, standen auf, klatschten und jubelten. Während dieser Zeit legte Andrew Franziskas Hand zärtlich in seine Hand und lies sie bis zum Ende nicht mehr los. Die Gäste waren entzückt. Und plötzlich, wie als ob Jemand den Ton abgeschaltet hätte, verstummten alle und starrten voller Erwartung auf das kommende Ereignis. Andrew nahm einen der Ringe und stecke ihn behutsam an Franziskas Finger. Anschließend nahm Franziska den Anderen und steckte ihn an seine Hand. Mit den magischen Worten „Ja, Ich will!“ (englisch: „I do“) vollzogen die Beiden, unter den zu Tränen gerührten Augen der Anwesenden, den heiligen Bund der Ehe. Zum Schluss stimmte Andrews Schwester, eine unglaublich talentierte Sängerin, ein wunderschönes Lied für die beiden an und mit strahlenden Gesichtern und einem (endgültig) verheiratetem Ehepaar mehr, verließen wir die Kapelle.

Nachdem die Zwei sich ein bisschen von dieser ergreifenden Zeremonie in der Kirche erholen konnten, gingen wir zum eigentlichen Hochzeitsfotoshooting über.  Das Wetter entpuppte sich als ein sonniges Hochzeitsgeschenk. Die Sonne strahlte, der Sand unter den Füßen war weich und ein schwacher Wind trug den salzigen Geruch der Nordsee zu uns herüber. Das Shooting verlief großartig.

Es fiel mir unwahrscheinlich schwer, mich von der Schönheit des Strandes zu trennen, aber die Gäste erwarteten die Beiden schon und wollten endlich anfangen zu feiern. Die Festlichkeiten wurden draußen, in  einem sehr schönen Restaurant am Strand, abgehalten. Alle waren in ausgelassener Stimmung, sprachen Toaste aus, gratulierten dem glücklichen Ehepaar, aßen und genossen dabei das schöne Wetter. Als es langsam dämmerte, wurden die Feierlichkeiten nach drinnen verlegt. Stolz gratulierte ich Franziska und Andrew zu ihrem besonderen Tag und verließ die Beiden mit einem tollen Gefühl im Herzen, vielen Eindrücken und einer Tasche voller Flash-Karten, die bis zum Rand mit tollen Fotos gefüllt waren.

Ungefähr einen Monat später kam ein Päckchen mit den langersehnten Fotos und meinen herzlichsten Grüßen in Australien an…

 

Liebe Franziska und lieber Andrew,

ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Euch für die wundervolle Zeit bedanken. Die Arbeit mit euch hat mir unglaublich viel Spaß gemacht und ich wünsche mir, dass das Glück und die Liebe, die Ihr an diesem Tag für einander empfunden habt, auf ewig in euren Herzen brennt. Ihr seid ein wundervolles Paar und außerdem wie geschaffen für einander.

 

Alina Drobner | Kreative Hochzeitsfotografin

 

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09|02|2013 - 4:36 pm

Lukas - Die Geschichte ist sehr herzlich!

10|02|2013 - 7:35 pm

Michelle - Ich liebe deine Fotos!

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